Fahrradurlaub am Canal des Deux Mers in Frankreich mit Toulouse und Moissac

Toulouse bei Nacht, Moissac im Sonnenlicht:
Fahrradtour am Canal des Deux Mers

Eine Reisereportage

Text: ATOUT FRANCE – Französische Zentrale für Tourismus

Stille Altstadtgassen am Abend in einer Metropole, Morgenfrische an einem Kanal und von Sonnenstrahlen überflutete Romanik, das sind Bilder, die sich bei der Fahrradtour von Toulouse nach Moissac einprägen. Mit dem Fahrrad auf der „Voie verte“ am Garonne-Seitenkanal von der quirligen Hauptstadt Midi-Pyrenäens zur Etappenstadt der Jakobspilger am Tarn.

Kaum zu glauben, wie sich die Stadt am Abend verändert. In den nun stillen Altstadtgassen herrscht kaum Verkehr und so macht es Spaß mit dem Fahrrad durch die historischen Viertel zu streifen. In der Dunkelheit scheinen die prächtigen Patrizierbauten von der Geschichte der Pastelprinzen, reichen Waidhändlern der Renaissance, zu wispern. Im Hof des Hôtel Assezat meint man auf der Galerie oben die Seide der Damen rascheln zu hören, am reich geschmückten Torbogen des heute eine Schule beherbergende Hôtel Bernuy, wo tagsüber Jugendliche lachen und reden, meint man das Flüstern der emsigen Dienstboten des wohlhabend Patriziers zu vernehmen. Mit dem Fahrrad entlang der Garonne-Ufer, an Sommerabenden ein beliebter Jugend-Treff, dann ein Abstecher in das älteste Bistro von Toulouse, Père Louis, oder ein Halt in den Straßencafés am Rathaus, dem Capitole, wo einst die Capitouls, die Stadtherren, das Geschick der Stadt bestimmten. Zwar wird das Fahrrad in dieser Metropole ein immer beliebteres Verkehrsmittel, doch abends ist der Streifzug durch Toulouse auf zwei Rädern noch reizvoller.

Im Rahmen der Förderung von Radwegen in Midi-Pyrenäen wurde der ehemalige Treidelpfad am Garonne-Seitenkanal in eine so genannte „Voie Verte“ verwandelt. Der erst im 18. Jahrhundert erbaute Kanal ist die Fortsetzung des im 17. Jahrhundert eingeweihten Canal du Midi, der Toulouse mit dem Mittelmeer verbindet. Beide Wasserwege bilden heute gemeinsam den Canal des Deux Mers.

Am frühen Morgen ist auf dem Radweg ab dem Hafenbecken Port de l‘Embouchure kaum jemand unterwegs. Ein Mann führt seinen Hund spazieren, wer das verschlafenere Gesicht hat, lässt sich nicht beurteilen. Dunst steigt von der Wasserfläche auf und die Räder rollen flott auf dem festen Belag des Radweges dahin. Die ersten Kilometer verlaufen zwischen Kanalbett und Bahnlinie durch ein Industriegebiet. Doch ab St. Jory wird der Kanal von Feldern gesäumt und überquert mit seinem Bett das Flüsschen Hers. Auf dem Canal des Deux Mers verkehren mittlerweile fast ausschließlich Freizeitboote und unter den Schatten spendenden Bäumen haben die Zugpferde Radfahrern, Joggern und Spaziergängern Platz gemacht. In Grisolles, wo der Radweg auf einem Deich verläuft, machen wir eine Pause mit Café au lait und Croissants in der Ortsmitte. Einige Häuser zeigen ein typisches Mauerwerk aus Garonne-Kieseln, Backstein und Lehm. Hier findet sich noch eine richtige „Quincaillerie“. Schon der Klang des Wortes verrät, dass es sich um einen Eisenwaren-Laden handelt. Auf den Anhöhen über der rechten Kanalseite beginnen die Weinlagen von Fronton. In diesem Anbaugebiet wachsen die Reben der Negrette-Trauben, eine der wenigen, die Anfang des 19. Jhs. der Reblaus widerstand.

Mit fortschreitender Sonne belebt sich die „Voie Verte“, einige flotte Fahrer auf Rennrädern überholen uns klingelnd, durchtrainierte Jogger kommen uns plaudernd entgegen. Keiner hat einen Blick für die Libellen auf den Blumen am Wasserrand oder die Entenfamilie, die schnatternd auf die andere Uferseite schwimmt. Im Hafen von Montech machen Bootsbesatzungen ihre Hausboote klar zum Auslaufen, andere sitzen gemütlich beim Frühstück an Deck. Die auf der ersten Strecke vorwiegend aus Beton erbauten Brücken werden ab hier oft durch mit Blumen geschmückte Backsteinbrücken ersetzt.

Gleich hinter Montech schleusen Freizeitboote auf die herkömmliche Art, während den wenigen noch verbliebenen Lastkähnen ein Schiffshebewerk mit zwei Dieselloks zur Verfügung steht. Ein inzwischen selten gewordenes Spektakel, das auch uns versagt bleibt. Dafür radeln wir unter Platanen gemächlich an Sonnenblumenfeldern vorbei. An der Brücke Pont de Saint André verweist ein Schild auf die 5 km entfernte Abtei von Belleperche aus dem 12. Jahrhundert, die heute eine Ausstellung über die Kunst des Tafelns zeigt.

Bei uns macht sich so langsam Hunger bemerkbar, deshalb bleiben wir dem Radweg treu. Backstein dominiert die Architektur dieser Gegend, zu bewundern am mächtigen Wasserturm von Castelsarrain, dessen Hafen nach dem bekannten Meeresforscher Cousteau benannt wurde. Rotleuchtende Steine auch beim Brückenkanal über den Tarn kurz vor Moissac, ein beeindruckendes Bauwerk mit einem herrlichen Ausblick auf den tief unten strömenden Fluss.

Noch ein kurzes Stück strampeln und wir erreichen die Stadt. Moissac ist aufgrund der Abteikirche und des hervorragend erhaltenen Kreuzgangs nach wie vor eine bedeutende Etappe auf dem Jakobsweg nach Compostela. Beide gehören zum UNESCO-Welterbe. Doch bevor ich das Meisterwerk der Romanik bewundere, möchte ich den Hunger stillen. Das Florentin gegenüber dem Kirchenportal bietet Gelegenheit beides zu vereinen. Während Sonnenstrahlen die Skulpturen perfekt beleuchten komme ich auf der Terrasse des Bistros in den Genuss eines Sorbets aus Chasselas-Trauben, für die Moissac fast ebenso berühmt ist.

 

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